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Aktuelles Thema: Unsere demokratische Wertegemeinschaft zerbricht Drucken E-Mail

Unsere demokratische Wertegemeinschaft zerbricht, und das unter kräftiger Mithilfe von Regierungen, welche sich ihr verpflichtet fühlen sollten

Reformen sind und können sinnvoller Bestand des täglichen Regierens sein, das ist unbestritten. Sie sind das politische Werkzeug des Nachschärfens, sie sind geeignet, um sinnvolle bestehende Strukturen an Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft anzupassen.

Allerdings sind Reformen nur so lange sinnvoll, als man die vorhandenen Strukturen selbst nicht in Frage stellen muss. Das kann der Fall sein, wenn diese sich als zu träge, als zu ineffizient - also letztlich als nicht zielführend - erweisen. In so einem Fall müssen die Strukturen selbst überdacht und erneuert werden. Reform bedeutet dann Strukturreform und verlangt prinzipielle Eingriffe sowie eine Neugestaltung eines Systems.

In vielen gesellschaftlichen Bereichen befinden wir uns derzeit in einer Situation, in welcher das „Herumdoktern“, das „Flicken“ von Strukturproblemen offensichtlich seit Jahren nicht mehr ausreicht, um jene gesellschaftspolitischen Ergebnisse zu erzielen, welche sowohl im Sinne einer tragfähigen staatlichen Zukunftsperspektive als auch im Interesse der Bürger selbst sind. Aufgrund von zahlreichen Veränderungen im Bereich technischer Anwendungsmöglichkeiten, einem weltweiten ökologischen Wandel sowie der Umgestaltung globaler politischer und wirtschaftlicher Gegebenheiten sind strukturelle Reformen unumgänglich.

Derzeit wären solche Strukturreformen vor allem im Bereich der zukünftigen Positionierung als Wirtschaftsstandort notwendig, aber auch in der Gesundheits-, Sozial- und Bildungspolitik. Was uns die Regierungen sowohl in Deutschland als auch in Österreich diesbezüglich anbieten, ist ein jämmerliches Flickwerk, aber bei Weitem keine Neuausrichtung. Die Gründe dafür sind in einem Satz zusammenzufassen: Die Angst vor einem reformbedingten Machtverlust durch den Verlust von Wählerstimmen bei zukünftigen Wahlen bewirkt in der Konsequenz des politischen Agierens genau diesen Verlust, allerdings nicht abrupt, sondern schleichend. Das Resultat ist mehr als erschreckend: In Deutschland kommen die regierenden Parteien CDU/CSU und SPD zusammen nach den letzten Umfragen gerade noch auf 36,5% der Stimmen, die rechtsextreme AfD hingegen liegt als stimmenstärkste Partei bereits bei 28%, in Österreich kommt die Regierung, bestehend aus ÖVP, SPÖ und NEOS zusammen auf ca. 47%, während die rechtsradikale FPÖ bei ca. 37-38% liegt und bereits an der 40%-Marke kratzt. Zum Vergleich: Bei den letzten Nationalratswahlen im September 2024 erhielten ÖVP, SPÖ und NEOS zusammen noch 55,5% der Stimmen, die FPÖ 28,9%. In Deutschland erhielt die Regierung bei der Bundestagswahl 2025 zusammen noch 45,6%, die AfD 20,6%.

Fazit: Die Regierungsparteien in Deutschland verloren innerhalb von 17 Monaten 9,1% an Stimmen, die österreichischen Regierungsparteien büßten innerhalb von 22 Monaten 8,5% an Stimmen ein. Und dieser Verlust geht auf Kosten von Parteien, welche alles andere im Sinn haben, als eine liberale demokratische Gesellschaft zu stärken. Ganz im Gegenteil: Ihr Bestreben ist es, diese zu zerstören.

Es müsste also sowohl den regierenden Parteien in Deutschland als auch in Österreich längst klar sein, dass ihr Regierungskurs, ihr vielfach kosmetisches Flickwerk an größtenteils Schein- und Minireformen nicht nur sachpolitisch viel zu wirkungslos ist, sondern auch eine demokratiepolitische Problemlage nach sich zieht, welche die liberale Demokratie in beiden Ländern gefährdet.

Doch was geschieht? Beide Regierungen setzen ihren höchst problematischen Kurs munter fort. Sie scheinen problem- sowie beratungsresistent zu sein, laufen den Rechten ins offene Messer und sind mittlerweile leider selbst die größte Gefahr für eine weltoffene, auf die Zukunft ausgerichtete demokratische Gesellschaftsform.

Gerhard Kohlmaier, 14. Juli 2026

 
Aktuelles Thema: Diese Politik führt die Mehrheit des Volkes an den Abgrund Drucken E-Mail

 

Diese Politik führt die Mehrheit des Volkes an den Abgrund


Die Zeiten der Prosperität sind längst vorbei. Kriege und damit verbundene wirtschaftliche Einbrüche, geopolitische Veränderungen, Politiker, die jahrelang in der Pendeluhr geschlafen bzw. die falschen Weichen gestellt haben, sind der eine Grund dafür, dass es für die Mehrheit der Bürger bergab geht. Nicht für alle, bei weitem nicht. Denn die Einkommensschere zwischen Arm und Reich wird dabei immer größer. Das heißt, ein Großteil der Vermögenden profitiert von dieser Situation. Nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Großkonzerne beherrschen die Weltwirtschaft und üben zu ihren Gunsten Druck auf politische Entscheidungsträger aus.

Regierungen in zahlreichen Staaten, auch in Österreich und Deutschland, stehen vor einem Dilemma: Den Staaten fehlt es an Geld, um in dieser angespannten Situation gegensteuern zu können – ob in der Wirtschaft, der Gesundheitspolitik, der Bildung, im sozialen Bereich – einfach überall. Gleichzeitig lauern rechtsextreme Parteien auf die Machtübernahme und legen sich ins Zeug, um den Abbau demokratischer Gepflogenheiten voranzutreiben.

In dieser schwierigen Situation reagieren unsere Volksvertreter fatal. Sie ziehen die Zügel mit einer falschen Gewichtung an. Anstatt vernünftige und längst überfällige Strukturreformen voranzutreiben, führen sie kosmetische bürgerfreundliche Scheingefechte a la Benzinpreisbremse und Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel, welche allein durch überbordende Verwaltungsakte, Zusatzbelastungen bei Steuern und Abgaben und steigende Inflation verpuffen, bevor sie überhaupt Wirkung zeigen können. Dies ist der weitere Grund für die katastrophale Lage, in der wir uns befinden.

Was also tun? Verzweifeln, rechte Heilsversprecher an die Macht hieven? Eine zwar verständliche Reaktion zahlreicher frustrierter Bürger, aber die denkbar schlechteste. Allein die Szenarien in den USA sowie die ungarische Vergangenheitspolitik unter Orban sollten doch Warnung genug sein, um in diese Falle nicht zu tappen. Bei einer Fortsetzung der momentanen Regierungspolitik in Österreich und Deutschland werden jedoch auch keine gedachten Brandmauern gegen FPÖ oder AfD helfen. Im Gegenteil, ihr Bröckeln läutet ein Ende mit Schrecken ein.

Ein Sparkurs alleine wird die Situation nicht lösen, noch dazu, wenn dieser an den falschen Eckpunkten aufgrund der Regierungshilflosigkeit ansetzt: bei der Mehrheit der Bevölkerung, deren Lebens- und Entwicklungsbedingungen dadurch zusätzlich verschlechtert werden. Nach wie vor sind die Regierungen nicht bereit, sich das benötigte Geld dort zu holen, wo es liegt. Ja keine Vermögensbesteuerung, ja keine Erbschaftssteuer! ATTAC hat in einer groß angelegten Recherche nachgewiesen, dass der österreichische Staat allein seit 2008 durch die Abschaffung der Erbschaftssteuer statt durch deren Novellierung, wie vom Rechnungshof verlangt, auf satte 36 Milliarden Euro verzichtet hat. Geld, das wir dringend bräuchten, um unser Bildungssystem zukunftsfit zu machen u.a.m.

Ich habe in meinem neuen Buch „Demokratie ade?“ ebenfalls Vorschläge unterbreitet, wie der Staat wieder handlungsfähig gemacht werden kann, ich weise seit nunmehr 27 Jahren in regelmäßigen Abständen darauf hin, wie wichtig eine höhere Besteuerung von Kapital, insbesondere von Finanzkapital und Kapitalanhäufung ohne Arbeit ist, aber die Regierung bleibt untätig. Man könnte glauben, sie profitiert selbst von dieser Politik. Vielleicht, zumindest gewisse Personenkreise. Aber diese Politik ist verantwortungslos den Bürgern gegenüber, sie schadet dem Wesen der Demokratie und – sie führt schlichtweg ins Verderben.

Wir werden wohl unsere demokratischen Rechte mehr ausschöpfen müssen, wollen wir die Verantwortlichen zu einer Umkehr des Regierungskurses bewegen. Nicht, indem wir rechten Verwaltern auf den Leim gehen, die uns den letzten Rest von Demokratiebewusstsein nehmen werden. Nicht, indem wir Lichtermeere für den Frieden veranstalten. Nicht, indem wir die Regierenden mit Stimmenthaltungen bei der nächsten Wahl abzustrafen versuchen. Sondern einzig und alleine dadurch, indem wir, das Volk, für unsere Interessen auf die Straße gehen und so den Druck auf die Regierenden erhöhen. Steuern sind zum Steuern da - nun steuert endlich in die einzig richtige Richtung!

Mag. Gerhard Kohlmaier                               9.Juni 2026

 
Buch als TOP-Titel angeführt Drucken E-Mail

Mein Buch "Demokratie ade?" ist bei MORAWA als Top-Buchtitel angeführt: https://www.morawa.at/oesterreich/sachbuch-fachbuch/politik?CSPCHD=00j000000000yr82smtQJAYFziS3cSqMm4uAmuPvZPWDxl3hfJ

 
Wochenkommentar vom 14.4.26: Geht doch! Drucken E-Mail

Geht doch!

Die Parlamentswahlen in Ungarn brachten einen Erdrutschsieg von Péter Magyar. Seine TISZA-Partei errang eine souveräne Zweidrittelmehrheit und fügte Victor Orbán und seiner FIDESZ-Partei eine empfindliche Niederlage zu. Nach 16 Jahren endet so die autokratische Herrschaft Orbáns.

Selbst die Wahlunterstützungen für den Verlierer seitens der Trump- und Putin-Regierung sowie der rechten Parteien Europas konnte nicht mehr verhindern, dass die Bürger unseres Nachbarlandes dem autoritären Führungsstil Orbáns, seiner Demontage einer freien Presse, von Bürgerrechten und der Umverteilung von Geldern hin zu seinen Freunden eine klare Absage erteilten.

In seinen ersten Statements kündigte Magyar an, ein konstruktiver Partner der EU sein zu wollen, die Unabhängigkeit der Medien in Ungarn wiederherstellen zu wollen sowie die Korruption im Land zu bekämpfen. Man wird sehen, wie sehr und wie schnell der Rückkehr des Landes zu einer liberalen Demokratie gelingen kann. Leicht wird das nicht werden, sind doch alle Spitzenämter mit Vasallen Orbáns besetzt.

Wir in Österreich sollten uns ein solches autokratisches Experiment unter dem selbst ernannten „Volkskanzler“ Kickl und seiner rechten Gefolgsmänner ersparen. Es würde uns – wie Ungarn – für viele Jahre zurückwerfen. Bleiben wir jetzt wach, dann gibt es kein Aufwachen wie in Ungarn!

 
26.3.26: Neuer Beitrag der Bürgerinitiative Drucken E-Mail

Die Diskussion über Windkraft als demokratische Verpflichtung: Informationen für die BürgerInnen

 
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