Wochenkommentare
Kommentar vom 23.2.2020: Nur a Geld, nur a Geld, ist... Drucken E-Mail

 

Geld als Zahlungsmittel in Form von Münzen gab es bereits im 6.Jh.v.Chr. Papiergeld wurde im 11. Jh. in China eingeführt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich insbesondere im geschäftlichen Zahlungsverkehr das so genannte Buch- oder Giralgeld, also Geld, das Banken in Form von Zahlen auf ihren Konten und in ihren Büchern darstellen. Letzteres macht heute bereits in Europa ca. 90% des gesamten Geldbestandes aus, in den USA ist der Anteil noch höher.

Heute werden immer mehr Geldtransaktionen bargeldlos und elektronisch durchgeführt. Banken drängen auf Online-Banking, sie bestrafen Kunden, welche noch mit Bargeld Zahlungen durchführen mit hohen Gebühren, das Beheben von Bargeld am Bankomat und selbst am Bankschalter wird zunehmend gebührenpflichtig. Sparguthaben sollen in Zukunft mit Negativzinsen bedacht werden. Die 500-Euro-Banknote ist mittlerweile abgeschafft, nun sollen auch die Centmünzen eingestampft werden.

Inzwischen sind Schweden und andere skandinavische Länder Vorreiter im bargeldlosen Geldverkehr. Ab 2030 soll der Bargeldverkehr in Schweden endgültig der Vergangenheit angehören. Aber auch in Deutschland wurden 2019 erstmals mehr Geldtransaktionen mit Karten durchgeführt als in barer Münze. Auch Österreich folgt diesem weltweiten Trend, obwohl hierzulande der Bargeldverkehr im europäischen Durchschnitt noch sehr beliebt ist. Zahlungen mit Kredit- und Bankomatkarte sowie mit Handy oder online-Überweisungen sind auch hier im Vormarsch.

Der deutsche Schauspieler Mario Adorf bezeichnete in einem „Stern“-Interview 1996 den einzigen Wert des Geldes in der Erringung von Unabhängigkeit. Doch wie ist es um diese „Unabhängigkeit“ des Individuums heutzutage bestellt, wenn es um die Verfügbarkeit dieses Geldes in einer zunehmend bargeldlosen Welt geht?

Geld, das auf den Konten von Banken liegt, ist nur so lange verfügbar, als die Bank dies zulässt. Denn der Kontoinhaber hat zwar das Recht auf eine Forderung in Bezug auf den Inhalt des Kontos, die er gegebenenfalls gerichtlich durchsetzen kann, das Konto jedoch ist Eigentum der Bank und nicht des Kontoinhabers. Im Falle einer Insolvenz der Bank ist auch eine gerichtliche Durchsetzung de facto nicht erfolgversprechend. Auch staatliche Garantien sind bei einem Bankencrash so gut wie wertlos.

Der bargeldlose Kunde verliert somit im Krisenfall letztlich die Verfügbarkeit über sein Geld, also das, was Adorf als „Unabhängigkeit“ bezeichnet.

Diese Tatsache ist inzwischen immer mehr Menschen bewusst, die aus diesem Grunde Teile ihrer Geldbeträge nicht mehr auf Bankkonten horten, sondern im eigenen Tresor zuhause. Allerdings ist diese Reaktion auf eine allfällige Geldenteignung nur so lange wirksam, so lange Bargeld auch als Zahlungsmittel gilt. Aus diesem Grunde bedeutet die Abschaffung des Bargeldes, Bankkunden vollkommen in die Abhängigkeit von Banken zu bringen.

 

Das sollten sich all jene einmal überlegen, wenn sie bei Einkäufen oder sonstigen Geldtransaktionen salopp ihre Karte zücken anstatt den Geldschein.

 
10.2.20: In eigener Sache Drucken E-Mail

 

Eigentlich war meine Planung noch zu Weihnachten eine andere - ich wollte bis zum 6. Jänner, also 2 Wochen, pausieren. Nun sind daraus nahezu 7 Wochen geworden. So lange Zeit habe ich in den letzten 20 Jahren des Bestehens der „Steuerini“ noch nie keine politischen, philosophischen oder Überlegungen anderer Art veröffentlicht.

Schlechtes Gewissen? Nein, im Gegenteil.

Ich habe in dieser Zeit, welche ich auch in großem Ausmaße meinem jungen Hund widmete, noch eine wesentliche Erfahrung gemacht. Ich stand nämlich einige Male am Wochenende kurz davor, wieder einen Kommentar zu veröffentlichen, gleichsam aus Gewohnheit. Im letzten Moment verzichtete ich jedoch darauf, weil mir auffiel, in der jeweiligen Sache oder Problematik viel zu wenig recherchiert zu haben.

Es ist offenkundig ein Kennzeichen des modernen Journalismus, vor allem der Verfasser von Kommentaren, zu allem und jedem, besonders aber nahezu zu jedem Zeitpunkt zu „liefern“, den Lesern scheinbar tiefere Einblicke in einen Sachverhalt oder in ein Geschehen zu präsentieren. Wenn man nun sein tägliches Brot mit dieser Tätigkeit verdient oder aber gewissermaßen auch unter Zugzwang des Herausgebers steht, dann ist dieser Drang zum Schreiben zumindest zum Teil erklärbar. Aktualität steht dann vielfach vor Qualität, das Oberflächliche steht im Vordergrund. Gerade die neuen Medien mit ihrer Vielfalt von Meinungen und Sichtweisen verleiten dazu. Die eigene Sichtweise ist dann letztlich nicht mehr als eine davon.

Diesen „Druck“ bin ich jedoch nicht ausgesetzt und ich habe es in diesen Wochen durchaus  als befreiend und bereichernd empfunden, mir die Zeit zu nehmen, mich mit einem Thema intensiver zu beschäftigen, als dies bisher manchmal der Fall war.

„Gut Ding braucht Weile“, sagt bereits ein altes Sprichwort. Die Kunst des Müßigganges im Sinne von „schöpferischem Nichtstun“, wie Siegfried Lenz diesen Zustand einmal charakterisiert hat, möchte ich auch in Zukunft bewahren.

 

Für meine Leserinnen und Leser und Interessenten an meiner Arbeit bedeutet dies, dass die Ergebnisse des von mir angestrebten skizzierten Prozesses in Hinkunft unregelmäßiger erscheinen werden als bisher. Möge es für uns alle zu mehr Klarheit bei so manchen Fragestellungen führen!

 
Weihnachtspause Drucken E-Mail

Weihnachtspause

Bis zum 6.1.2020 entfallen - zumindest -  die regelmäßigen Wochenkommentare.

Ich wünsche allen Interessentinnen und Interessenten an meiner Arbeit ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das kommende Jahr.

 

Gerhard Kohlmaier

 

 
Woko vom 1.12. entspricht "Aktuellem Thema" Drucken E-Mail

Der Wochenkommentar vom 1.12.2019 entspricht dem "aktuellem Thema"

 
Woko vom 24.11.: Über die Schwierigkeit des sich Zurechtfindens in der modernen Welt Drucken E-Mail

 

Das sich Zurechtfinden in der modernen Welt der schnellen Datenübertragung wird zunehmend mühsamer. Haben sich die Menschen früher ein Urteil auf Grund von eigenen Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit der Natur und Umwelt gebildet, so ist der moderne Mensch zum Großteil von diesen, aber auch von seinem eigenen Tun entfremdet.

Ersatz für diese Defizite bieten ihm die modernen Medien, welche ihn mit einer Fülle von Informationen zu diversen Themenbereichen regelrecht zuschütten. Allerdings stehen diese Informationen so gut wie immer im Interesse von großen Konzernen und Lobbyisten, welche diese gezielt einsetzen, um die Menschen zu einem erwünschten (Kauf)Verhalten zu bewegen. Oder aber es handelt sich dabei schlicht und einfach um Meinungen, die unüberprüft übernommen, im Internet gestreut werden und den Meinungsbildungsprozess des Einzelnen - abhängig von seinem Bildungsgrad - nicht unwesentlich beeinflussen und schließlich unter dem Deckmantel demokratischer Mitbestimmung ihr Unwesen treiben.

Hinzu kommt, dass es auf Grund der Fülle von sich einander widersprechenden Informationen im Netz für den Einzelnen immer schwieriger wird, sich ein Bild von den tatsächlichen Gegebenheiten zu machen.

Nehmen wir als Beispiel die E-Mobilität, also die Frage, ob angesichts der gegebenen Klimaproblematik Elektrofahrzeuge eine tatsächliche Alternative zu den mit Verbrennungsmotoren betriebenen Fahrzeugen darstellen.

Dazu finden sich im Netz tausende von Artikeln, sowohl für als auch gegen die E-Mobilität. Nicht wenige davon stammen von anerkannten Professoren technischer Universitäten, also von anerkannten Fachleuten. Und siehe da: Auch sie kommen zu gänzlich unterschiedlichen Schlüssen. Die einen sehen die Entwicklung von Elektroautos positiv, die anderen lehnen diese Technologie ab. So sehen beispielsweise Forscher der Universität Brüssel und des Münchner Ifo-Instituts die Elektromobilität überwiegend positiv, während sie beispielsweise in der so genannten Schweden-Studie sowie in einer Studie der Universität Heidelberg nicht als Alternative zu Diesel- oder Benzinfahrzeugen gesehen wird. Auch Prof. Jörg Wellnitz von der Technischen Hochschule Ingolstadt kommt in seinen Studien zum Schluss, dass E-Mobilität „überhaupt keinen Sinn macht, wenn man sich alle Aspekte des Themas einmal vor Augen führt“ (https://www.deutschland-kurier.org/professor-der-th-ingolstadt-entlarvt-den-schwindel-um-die-elektromobilitaet-das-e-auto-nuetzt-nur-der-automobilindustrie-aber-nicht-den-kunden/) und hält diese bestenfalls für eine Nischentechnologie.

Wer hat nun recht, welcher Position kann man sich guten Gewissens anschließen?

Setzt man sich mit den Begründungen für ihre Positionen der erwähnten Studien und Autoren gründlich auseinander, so haben sowohl Gegner als auch Befürworter aus ihrer Sicht recht.

Denn einerseits ist diese bestimmt von einer weltanschaulichen Position der Verfasser, andererseits basieren die Schlussfolgerungen auf unterschiedlichen Daten, welche an sich jedoch nicht falsch sind. Es ist eben ein Unterschied, ob man davon ausgeht, dass das private Verkehrsaufkommen in Zukunft zu- oder abnehmen wird, ob man im Bau von Batterien dementsprechende Fortschritte machen wird oder nicht, ob man davon ausgeht, dass man auch in der Zukunft für den Akkubau von Lithium und Kobalt abhängig sein wird,

wie und in welcher Weise man die Entsorgung von Batterien, insbesondere von schwer beschädigten regeln wird, ob man die Reduktion von Schadstoffen mit denen von Benzin- und Dieselautos vergleicht oder ob man diesen Vergleich zum Schadstoffausstoß von Containerschiffen und Flugzeugen zieht, wie dies beispielsweise Prof. Wellnitz macht, ob man bei flächenmäßiger E-Mobilität die Stromnetze, insbesondere in den regionalen Verteilernetzen, ausbaut oder nicht usw.

Tatsächlich ist die Frage, ob eine flächendeckende E-Mobilität möglich ist und Sinn macht, von vielen Faktoren abhängig, von Interessenslagen, aber auch von Erkenntnissen, welche zum einen Teil in den Bereich von technischen, zum anderen Teil in jenen von politischen Entscheidungsprozessen fallen. Es gilt also auch letztere ins Auge zu fassen, will man sich ein Urteil bilden.

Wie man sieht, ist dieser Prozess der Entscheidungsfindung für den Einzelnen also sehr aufwändig. Er setzt einen gewissen Bildungsgrad voraus und nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Da jedoch leider beide Voraussetzungen für den Einzelnen nicht immer gegeben sind, ist es keine Schande, im Zweifelsfall nicht jeder beliebigen Argumentationsstrategie zu folgen, sondern zurückhaltend zu agieren und Fragen zu stellen. Denn letztlich sind es diese Fragen, die uns weiterbringen, nicht aber die vorschnellen Antworten.


 
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