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Woko vom 13.5.: Wir brauchen endlich eine andere Landwirtschaftspolitik! Drucken E-Mail

 

Das Waldsterben, so titelte der „Kurier“ vom 11.5.2018, sei zurück. Während wir unaufhaltsam einem ständigen Wachstum der Wirtschaft nachjagen und blind für die Tatsache zu sein scheinen, dass es ewiges Wachstum nicht gibt, dezimieren wir immer mehr wichtige Lebensgrundlagen. Die Honigbienen sind vom Aussterben bedroht, auch die Hälfte der Wildbienen und der Schmetterlinge sind bereits ausgerottet, laut Expertenschätzungen leben in Österreich derzeit rund 80% weniger Insekten als noch vor 30 Jahren. Haben Sie noch nicht bemerkt, dass eine Autofahrt an Sommerabenden kaum mehr Insektenspuren auf Ihrer Windschutzscheibe hinterlässt.

Das Waldsterben der 80-iger war geprägt vom Begriff des „sauren Regens“. Die Österreicher hatten gerade die Schockstarre, ausgelöst durch die Ölkrise, überwunden. Diese war wohl deshalb so heftig, weil die Ölkrise das Lieblingshobby der Österreicher gefährdete - das Autofahren. Als Auslöser des Waldsterbens wurden hohe Schadstoffemissionen, verursacht durch Kraftfahrzeuge, aber auch durch Industrieanlagen, ausgemacht. Und die Politik reagierte darauf mit durchaus wirkungsvollen Maßnahmen wie dem bleifreien Benzin, den Einbau von Katalysatoren in Kraftfahrzeuge und von Filtern in die Abgasanlagen von Industrien. Man hatte dem Waldsterben bald ein Ende gesetzt, die Maßnahmen griffen.

Und nun droht neue Gefahr für das so wichtige Ökosystem Wald: der Klimawandel.

Bis Ende dieses Jahrhunderts werden wir in Österreich laut Weltklimarat mit einer durchschnittlichen Klimaerwärmung von 3,5 bis 4,5 Grad rechnen müssen.

Die höheren Temperaturen begünstigen die Zunahme von Schädlingen wie dem Borkenkäfer, zudem gefährden importierte Schädlinge die Gesamtbestände bestimmter Baumarten wie beispielsweise derzeit von der Esche. Die durch die extreme Trockenheit verursachten Waldbrände stellen eine weitere Gefahr für den Wald dar, und schließlich sind es auch regional zu hohe Wildbestände, die durch übermäßigem Wildverbiss dem Wald zusetzen. Extremwetterlagen im Winter, durch Hitzewellen und die darauf folgenden extremen Unwetter in den Sommermonaten fügen bereits heute der Land- und Forstwirtschaft schwere Schäden zu. In Zukunft könnten sie vermehrt an der Existenz von so manchem Bauern, aber auch Waldbesitzer ernsthaft rütteln.

Was also tun? Wie können wir - ähnlich wie in den 70er Jahren - ein weiteres Mal das Schlimmste verhindern?

Der Gegner ist ein viel ernst zu nehmender als in den 70-er Jahren. Und die herrschende Politik betont seit Jahrzehnten die Relativität der nationalen Zuständigkeit, weil die Klimaerwärmung nicht von einem Land allein gelöst werden könne. Das ist zwar richtig, dennoch hat man es in den letzten Jahrzehnten verabsäumt, die österreichische Waldbewirtschaftung und Landwirtschaft grundsätzlich so umzustellen, dass die zu erwartenden Schäden in Grenzen gehalten werden können.

Nach wie vor überwiegen großteils Monokulturen, insbesondere Fichten, Mischbestände haben zwar zugenommen, sind aber dennoch nicht großräumig anzutreffen. Ca. 48% der Gesamtfläche Österreichs sind heute mit Wald bedeckt. Immer noch ist die Fichte mit einem Anteil von 60% die am häufigsten vorkommende Baumart in Österreich. Im Vergleich dazu macht die Buche ca. 10%, die Lärche 4%, die Eiche knapp 2% der Baumarten aus.

Dort, wo es Bodenverhältnisse und Höhenlage erlauben, müssen in Zukunft ausschließlich Mischwälder gepflanzt werden. Unnötige Monokulturen sind in Zukunft sowohl im Rahmen der Grundsteuer als auch bei der Holzernte steuerlich anders zu bewerten als Mischwälder.

Im landwirtschaftlichen Bereich fand eine Strukturreform statt, die gänzlich in die falsche Richtung ging. In den letzten 20 Jahren haben ca. 30% der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich zugesperrt. Vorwiegend Kleinbauern wurden Opfer einer Landwirtschaftspolitik,  welche letztlich Großbetriebe förderte. Die erzielte Produktionszunahme trotz verringerter landwirtschaftlicher Gesamtfläche gehen in erster Linie auf die Verwendung von Pestiziden und dem Verzicht auf Wechsel der Fruchtfolge zurück. Auch hier entstehen immer mehr Monokulturen. Diese Felder ohne Raine mit durch Pestiziden belasteten Pflanzen und Böden bieten Bienen, Schmetterlingen und zahlreichen Insektenarten immer schlechtere Lebensbedingungen. Eine weitere Folge davon ist, dass auch immer mehr Vogelarten gefährdet sind.

Wir müssen endlich Schluss machen mit einem vollkommen falsch angelegten staatlichen Förderwesen. Gefördert werden sollen ausschließlich Betriebe, welche strengen ökologischen Kriterien und Auflagen entsprechen. Auch die steuerliche Pauschalieren von Landwirtschaftsbetrieben in der derzeitigen Form muss geändert werden. Steuerlich zu bevorzugen sind ebenfalls ausschließlich Betriebe, welche diese strengen ökologischen Auflagen erfüllen. Nur dann wird es uns gelingen, das durch Klimaerwärmung und falscher landwirtschaftlicher Nutzung bedingten Wald- und Artensterben auf nationaler Ebene wenigstens deutlich abzuschwächen.

 

Handeln wir nicht schnell, sterben nämlich nicht nur der Wald und eine große Anzahl von Lebewesen, auf lange Sicht gesehen berauben wir uns der eigenen Lebensgrundlagen.