Wochenkommentar vom 16.12.2012: Weihnachtswunsch Drucken E-Mail

 

Es ist wieder einmal Weihnachten. In einer nach wie vor ungebändigten globalen Welt, in  der die Heilsverkünder des freien Marktes und deren politische Vasallen das Sagen haben, zählt das Märchen vom endlosen Wachstum und der damit verbundenen Freiheit der Bürger zum Credo. Während die Opfer dieser Ideologie ihren Rest von Leben in den Rinnsteinen der europäischen Großstädte sammeln und zu bewahren hoffen, prassen die Verkünder in nahezu nie da gewesenem Reichtum und mit der Fülle der ihr verliehenen Macht als Akteure eines neuen Feudalsystems und erfreuen sich an der Gefolgschaft ihrer Untertanen. Inmitten des von ihnen durch- und besetzten Systems von Korruption, Lüge und bewusster Täuschung hauchen sie ihrer Gefolgschaft weihnachtliche Konsum- und Durchhalteparolen ein und stimmen fleißig jene Weisen an, welche schon Heinrich Heine durchschaut und kritisiert hat. Auch wir kennen die „Herren Verfasser“, auch wir wissen, was sie „trinken“, aber - und das ist das Erschreckende an der Weihnachtsbotschaft der falschen Propheten - zu viele, viel zu viele lassen sich von ihren falschen Harfenklängen „einlullen“.

Kein Tag vergeht, ohne dass neue Skandale in Politik und Wirtschaft sowie in den Hinterstuben der Macht ruchbar werden, jeder Adventtag bringt ein neues Korruptionshirtenspiel zum Vorschein, mit jeder Adventkranzkerze treten neue Akteure im Rahmen der Krippenspiele der Justiz und Parteipolitik auf und irgendwelche scheinheilige Engel verkünden uns den Lobpreis der Unschuldsvermutung, der so lange gilt, so lange der Raum der Legalität groß genug ist, um darin alles, nahezu alles weihnachtlich glänzend und unschuldig erscheinen zu lassen.

„Wir kennen die Weise, wir kennen den Text, wir kennen die Herren Verfasser“, aber was blendet uns so sehr, dass wir die „Weise“ nicht mehr hören, den „Text“ nicht mehr lesen und die „Verfasser“ nicht mehr sehen können? Sind unsere Ängste so sehr geschürt worden, sind sie so groß, dass wir den Himmel vor lauter Licht nicht mehr sehen? Oder aber sind wir bereits so sehr zur Passivität degradiert worden, dass unser einziges Sinnen auf das Betäuben unseres Zustandes durch schnellen Konsum von erfundenen Zeitdrogen gerichtet ist?

Es ist wieder einmal Weihnachten. Und immer mehr Menschen leiden unter der Kälte eines Systems, welches längst alle seine Schwächen offen zur Schau stellt und den Irrsinn der falschen Heilsverkünder darlegt. Holen wir die Einflüsterer von ihrem Thron, treten wir den Verfassern und den Regisseuren der falschen Hirtenspiele in Geschlossenheit entgegen. Lehnen wir uns dagegen auf, entlarven wir die Protagonisten und lassen wir uns nicht bei unserem Vorhaben beirren, das „Himmelreich hier auf Erden zu errichten“! Was wir dazu brauchen, ist Mut und Entschlossenheit sowie ein gemeinschaftsfähiges Konzept. Letzteres liegt in vielen Ansätzen vor. Die gemeinsame Verwirklichung wäre mein Weihnachtswunsch. (Gerhard Kohlmaier)