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Sonderkommentar: Überrascht ist wohl niemand mehr, 3.3.2018 Drucken E-Mail

Einen Wochenkommentar ist mir das Engagement der ehemaligen grünen Parteivorsitzenden beim Glücksspielkonzern Novomatic nicht wert, wohl aber einige grundsätzliche Überlegungen.

Wirklich überrascht ist wohl kaum jemand: Eva Glawischnig arbeitet ab sofort für Novomatic. Sie tritt damit in die Fußstapfen andere Politiker wie Johannes Hahn, Karl Schlögl oder Alfred Gusenbauer, die ebefalls in dessen Diensten standen.

Sehr wohl überraschend ist jedoch die Aufrichtigkeit, mit der sie diesen Schritt begründet.

Glawischnig, die die Grünen zu einem Zeitpunkt verließ, wo sich zahlreiche ihrer politischen Fehler zur Überlebensfrage der Partei entwickelten, welche ja dann auch den Einzug ins Parlament nicht mehr schaffte, hat nun beim Glücksspielkonzern angeheuert, weil sie nach eigenen Worten auch einmal „bei den ganz Großen dabei sein“ wolle. Angebote habe es von mehreren Konzernen gegeben, aber die EX-Grüne ist sich bewusst, dass die „Empörung“ über ihre neue Tätigkeit „die gleiche“ gewesen wäre.

Bei welchen Konzernen hat sie denn noch versucht anzuheuern, dass Novomatic ihr als geringeres Übel erschien? Ölkonzerne, Wasserprivatisierer oder waren es etwa Konzerne, die in Bangladesch unter katastrophalen Arbeitsbedingungen produzieren und sich auf Kosten erbärmlichster Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitarbeiter bereichern? Wir werden es nie erfahren, denn darüber schweigt die Glücksspielmanagerin eisern.

Im Unterschied etwa zu den modernen Arbeitssklaven der Bekleidungsindustrie kann nun jemand, der spielt und seine Existenz sowie meistens auch die von Familien und Angehörigen gefährdet oder ruiniert, hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn Glawischnig begibt sich sozusagen in die Höhle des Löwen, um diesen - wo notwendig - zu zähmen: „Ich glaube, dass man bei der Entwicklung am besten mitbestimmen kann, wenn man selbst in einem der großen Tanker sitzt“, erklärte sie gegenüber dem Standard.

Diese Geisteshaltung der Ex-Grünen führt - weitergedacht - zu höchst eigenartigen Schlussfolgerungen: Schlepperei bekämpft man also am besten, indem man selbst Mitglied einer Schlepperorganisation wird, die Mafia, indem man ihr beitritt, die Korruption wohl dadurch, indem man selbst korrupt wird. Zu solchen oder ähnlichen Konnotationen führen die Erläuterungen einer ehemaligen Parteivorsitzenden, welche jahrelang als Repräsentant der Bürger im Parlament tätig war.

 

Dass Novomatic die einstige Paradegrüne, die über Jahrzehnte hinweg offensichtlich eine politische Ethik heucheln konnte, die ihrer wahren Überzeugung widersprach, nun eine leitende Stellung anbietet, ist nachvollziehbar. Denn wenn sich jemand so gut verstellen kann und über internationale Kontakte verfügt, dann ist er bei einem Glücksspielkonzern an der richtigen Adresse. Der Mimik eines guten Pokerspielers sieht man sein Blatt nicht an.