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Wieder einmal PISA und die Schlüsse der selbsternannten Experten Drucken E-Mail

Nach jedem Pisa-Ergebnis haben wir es seit Jahren mit demselben Phänomen zu tun: unzählige, meist selbsternannte Bildungsexperten melden sich zu Wort und geben gute Ratschläge, wie man Ihrer Meinung nach unser Bildungssystem verbessern könnte.


Und zunächst einmal ist festzuhalten, dass diese Ratschläge die logische Konsequenz einer Bildungspolitik sind, welche seit Jahrzehnten nichts Substanzielles zur Verbesserung der Bildungschancen für die jungen Menschen leistet. Aber es muss auch erlaubt sein anzumerken, dass deshalb nicht automatisch jeder dieser Ratschläge Sinn macht.

Petra Stuiber stimmt in ihrem Kommentar „Mit Bildung Wahlen gewinnen“ im „Standard“ vom 9.12. u.a. das alte Lied von der Blockade einer vernünftigen Bildungspolitik durch die Gewerkschaften an. Dieser bekannte Reflex von vielen Medienvertretern ist jedoch aus mehreren Gründen wenig hilfreich. Einerseits sind es gerade diese Gewerkschaften, welche sich auf Grund der tatsächlichen Kenntnis der Unterrichtsbedingungen Gott sei Dank seit Jahren gegen etliche bildungspolitische Maßnahmen zur Wehr setzen. Sie haben allerdings damit nie bildungspolitische Maßnahmen der Regierungen verhindert, sondern durch ihre Beiträge höchstens den ein oder anderen bildungspolitischen Irrsinn abschwächen können. Andererseits ist Vertretungspolitik von Arbeitnehmern in unserem Land noch etwas Selbstverständliches, auch wenn dies offensichtlich zahlreiche Journalisten gerne anders sähen.

P.Stuiber regt hingegen an, die Politik solle an den Gewerkschaften vorbei „radikal denken“ und eine Bildungspolitik betreiben, mit der sie Wahlen gewinnen könne. Sie will also allen Ernstes diejenigen, welche die Materie in- und auswendig kennen, welche die Schwächen und Mängel des Systems seit Jahrzehnten anprangern und Lösungen vorschlagen, aus der Diskussion ausgeblendet wissen. Was für ein medialer Unsinn ist denn das, der die bildungspolitische Zukunft unserer Jugendlichen mit dem Stimmengewinn der Parteien bei zukünftigen Wahlen zu verbinden sucht!

Anneliese Rohrer meldet sich ebenfalls zur Bildungsdiskussion zu Wort. In ihrem Kommentar „Die Leseschwäche einiger Lehrer und die Frustration der Lesepaten“, erschienen in der „Presse“ vom 10.12., schlägt sie vor, Leseschwächen durch freiwillige Angebote aus der Bevölkerung zu beheben. Diese Freiwilligen sollen also unbezahlt einen Teil der Unterrichtsarbeit an den Schulen übernehmen bzw. diese Arbeit ergänzen. Rohrer verlagert damit das Problem auf die Zivilgesellschaft und schwärmt in diesem Zusammenhang von der Kraft, welche diese durch ihren Einsatz für die Wahl Van der Bellens unter Beweis gestellt habe.

Nun gibt es ohne Zweifel in der Zivilgesellschaft viele Menschen, welche vor allem Volksschülern hilfreich beim Erlernen des Lesens zu Seite stehen könnten und auch sollen. Ihre Hilfe kann durchaus sinnvoll sein, ihr Platz ist dort, wo Kinder offensichtlich heute zu sehr auf sich selbst gestellt sind: in den Familien. Ja, die Tanten, Onkel, Großmütter und Großväter können und sollen junge Menschen unterstützen, aber ihr Platz ist nicht das öffentliche Schulwesen, Frau Rohrer.

Der selbsternannte Oberfachmann für alle relevanten Lebensfragen, vom Umgang mit dem Tod über Freundschaft bis hin zu Bildungsfragen, Andreas Salcher, muss natürlich auch seinen Senf zum Pisa-Ergebnis geben (Salcher: „Habe Riesenangst, dass Reform scheitert“, Kurier, 8.12.2016)

Salcher hofft, dass das von der Regierung initiierte Schulautonomiepaket nun endlich umgesetzt werde. Offensichtlich hat sich der Experte nur sehr oberflächlich damit beschäftigt, welche Auswirkungen dieses Autonomiepaket hat. Oder ist es ihm egal, wenn dadurch die Klassenschülerhöchst - und die Teilungszahlen in die Höhe geschraubt werden können, weil es sie ganz einfach nicht mehr gibt? Offenbar sieht der Hans Dampf in allen Gassen nicht, dass individuelle Lernbetreuung dadurch erschwert wird, dass die Anzahl der unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer durch das Autonomiepaket dort eingeschränkt wird, wo zusätzlicher Personalaufwand in Form von Unterstützungspersonal besteht, also im Wesentlichen an jenen Schulen, wo ein hoher individueller Betreuungsbedarf besteht. Dass Salcher nicht einmal begreift, dass das Autonomiepaket selbst wesentliche Forderungen unterläuft, die er selbst erhebt, spricht nicht gerade für seine Kompetenz.

 

Ja zur Reform im Schulwesen, ja zu einer sinnvollen Arbeit, die abseits der bildungspolitischen "Expertendiskussion“ von den tatsächlichen Experten an den Schulen trotz einer säumungspflichtigen Bildungspolitik schon täglich geleistet wird und welche man nur zur gängigen Schulpraxis umstrukturieren muss, um eine bessere Ausbildung für die jungen Menschen zu erreichen. Dafür - für diese sinnvolle Arbeit - gilt es bessere Bedingungen zu schaffen.Es sind die zahlreichen Lehrerinnen und Lehrer, die täglich zeigen, wie gute Bildungsarbeit funktionieren kann. Auf sie sollte man hören, nicht auf all jene, die schon seit geraumer Zeit keine Schule mehr von innen gesehen haben. (Gerhard Kohlmaier)