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Woko vom 25.2.: Am 13. März gibt es nichts zu verschenken Drucken E-Mail

Niki Lauda und die Gewerkschaft GPA verhandeln ab Mitte März über einen Kollektivvertrag für die Mitarbeiter der neugegründeten Laudamotion.

Dreimal hat der ehemalige Formel I-Pilot Niki Lauda sich bisher als Luftfahrtunternehmer versucht und dreimal ist er damit gescheitert. Allerdings hat es Lauda immer verstanden, die schwer angeschlagenen Unternehmen jemanden umzuhängen, nicht zuletzt dem österreichischen Steuerzahler, welcher insbesondere 2002 bei der Übernahme von Lauda Air durch die AUA kräftig zur Kasse gebeten wurde. Damals hinterließ Lauda einen gewaltigen Schuldenberg, welcher schließlich nicht nur den österreichischen Steuerzahler belastete, sondern wohl auch mitschuldig daran war, dass die AUA bald darauf selbst ins Trudeln geriet und an die Lufthansa verkauft wurde. Doch auch nun, nach der Pleite der Air Berlin, kamen für die Gehälter der Niki-Mitarbeiter zwischen 1. und 12. Jänner 2018 der Steuerzahler auf.

Lauda versieht seine flugunternehmerischen Ambitionen gerne mit dem Prädikat, Fliegen für die Konsumenten billiger zu machen. Da seine Unternehmen, wie die Vergangenheit gezeigt hat, jedoch nicht überlebensfähig sind und früher oder später von großen Airlines geschluckt werden, tragen sie eher zur Verfestigung von Monopolstellungen am Markt bei. Rechnet man auch die Kosten, welche der Unternehmer bisher den Steuerzahlern beschert hat, dann ist diese Billigphilosophie ohnehin nicht haltbar.

Nun kehrt Lauda abermals als Unternehmer in die österreichische Luftfahrtbranche zurück. Als Arbeitgeber war er immer umstritten. Die Arbeitsbedingungen sowie das Gehalt von Flugbegleitern waren ein ständiger Kritikpunkt von Angestellten und Gewerkschaft am Unternehmer: Leiharbeitsverträge, ein extrem niedriges Gehalt, nicht bezahlte Arbeitszeiten, fehlende Verpflegung während des Dienstes usw. Ausbeutertum sowie modernes Sklaventum waren gängige Begriffe für die Kennzeichnung der Arbeitsverhältnisse.

Es verwundert daher nicht, wenn bereits bei der Übernahme der neuen Laudamotion sich große Teile der Belegschaft gegen den neuen bzw. alten Eigentümer aussprachen, weil sie die Fortsetzung von erwähnten Arbeitsbedingungen befürchteten. Aber Lauda beruhigte und versprach zunächst zukünftige Angestelltenbedingungen im Rahmen eines noch auszuhandelnden Kollektivvertrages. Zu groß war die Gefahr der Abwanderung von Mitarbeitern zu anderen Fluglinien.

Nun aber, wenige Wochen vor Start von Laudamotion, legt Lauda Teilen seiner zukünftigen Belegschaft wieder neue Leihpersonalverträge mit Einstiegsbasisgehältern von 959 Euro vor. Im Vergleich dazu betragen die Anfangsgehälter beim Konkurrenten Lufthansa ca. 1500 Euro.

Ab 13. März wird die Gewerkschaft mit dem Flugunternehmer über einen Kollektivvertrag für die Mitarbeiter der Laudamotion verhandeln. Dabei sollte es nicht nur, wie von gewerkschaftlicher Seite angekündigt und besonders hervorgehoben, um die endgültige Beseitigung von Leiharbeitsverträgen gehen, sondern insbesondere auch um akzeptable Arbeitsbedingungen und Löhne für alle Mitarbeiter. Ansonsten sollte dem neuerlichen Startversuch des Unternehmers Lauda ein Ende bereitet werden, bevor ein neuerlicher Schrecken für die Mitarbeiter beginnt.

 

Wenn Lauda schon stolz darauf ist, nichts zum Verschenken zu haben, dann ist es Aufgabe der Gewerkschaft, ihm klarzumachen, dass seine Mitarbeiter ja auch keine Geschenke von ihm wollen, sondern nicht mehr als einen gerechten Lohn für ihre Arbeitsleistung. Ob die Gewerkschaft dies will, ob es ihr schließlich gelingt oder aber ob sie zum Nachteil der Belegschaft zweifelhafte Kompromisse mit Lauda eingehen wird, ist das Spannende an diesem 13. März.

 
Woko vom 18.2.: Österreichs Finanzminister behindert Kampf gegen Steuerbetrug Drucken E-Mail

 

 

Die österreichischen Regierungen haben in Fragen der Steuervermeidung für Großkonzerne, Banken und für große Kapitalbeträge seit vielen Jahren eine Position eingenommen, welche international im Kampf gegen Steuerhinterziehung gesehen allzu oft kritisiert wurde, auch von der EU. Für das Gesamtsteueraufkommen des Staates hatte und hat dies zur Folge, dass die Möglichkeiten des Kapitals, die Steuerbelastung gering zu halten, immer schon vielfältiger Art waren, während kleine und mittlere Unternehmen sowie die Arbeitnehmer kräftig zur Kasse gebeten werden.

Seit Jahrzehnten werden Kapital, Gewinne und Vermögen in unserem Land steuerlich über Gebühr entlastet, sei es durch Konstruktionen wie Stiftungen, den Verzicht der Regierungen auf entsprechende Vermögensbesteuerungen oder aber durch Steuerkonstruktionen wie die Doppelbesteuerungen, welche dazu führen, dass der Staat freiwillig auf Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verzichtet. Die von der derzeitigen Regierung in den Raum gestellte Senkung der Körperschaftssteuer für nicht entnommene Gewinne ist nur ein weiterer Puzzlestein einer katastrophalen Steuerpolitik, welche zum Nachteil des Staates fortgesetzt wird. Der Großteil der Steuerzahler muss dafür einen ständigen Anstieg der Steuer- und Abgabenbelastung hinnehmen, damit der Staat seine Aufgabenbereiche wenigstens noch halbwegs erfüllen kann.

Dringend notwendige Gelder für die Aufrechterhaltung und den Ausbau eines gut funktionierenden sozialen Systems fehlen, sei es für Pensionen, für Gesundheit und Pflege, für Bildung oder für die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur. Auch wenn wir volkswirtschaftlich gesehen immer wohlhabender werden, führt diese katastrophale Steuerpolitik der Regierungen dazu, dass nicht nur in der Verteilung dieses Reichtums so manches schief läuft, sondern eben auch in der Steuerleistung jener, die zu den großen Gewinnern des Systems zählen.

Nun lässt die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ mit weiteren, gut recherchierten Daten zur Steuerbelastung von internationalen Konzernen und großen österreichischen Firmen sowie Banken aufhorchen. Dabei überrascht weniger, dass etwa ein internationaler Großkonzern wie die Magna Powertrain GmbH&Co.AG im Jahr 2015 bei einem Umsatz von knapp einer Milliarde Euro und einem Gewinn von 35 Millionen Euro nur eine Steuerleistung von € 45 000.- erbrachte, als die Tatsache, dass im Vergleich dazu eine durchschnittliche Tabaktrafik mit einem Gewinn von € 85 000.- immerhin € 31 000.- an das Finanzamt abliefert. Oder anders gesagt: Für eine stattliche Anzahl von Arbeitnehmern in unserem Staat gilt, dass jeder Einzelne von ihnen eine höhere Steuerleistung als ein Großkonzern mit Milliardenumsätzen und Millionengewinnen erbringt.

Überraschend ist das jedoch auch deshalb, weil der Rechnungshof seit den 90-iger Jahren dieses Missverhältnis bemängelt. Allerdings hatte und hat offensichtlich keine Regierung vor, damit endlich aufzuräumen und dieses Steuerschonungspolitik für die Großen zu beenden. Zahlreiche von den Regierungen geschaffenen Steuerkonstruktionen ermöglichen es Großkonzernen nach wie vor, Milliarden von Beträgen am österreichischen Fiskus vorbeizuschleusen.

Die Steuerleistung österreichischer Konzerne wie z.B. der Telekom Austria oder Red Bull wird von diesen selbst, aber auch von den Finanzbehörden größtenteils geheim gehalten. Und wenn einer davon, wie beispielsweise der Bauriese STRABAG 2016 nach eigenen Angaben 139 Millionen Euro an Steuern abführt, dann sieht davon das Finanzamt auf Grund bestehender Verlustvorträge keinen Cent. Ähnlich ist es bei den Banken, welche auf Grund von Steuergutschriften in Millionenhöhe de facto kaum eine Steuerleistung erbringen, welche sich für den Staat zu Buche schlägt.

Österreichische Regierungen sorgen also durch ihre Steuergesetzgebung dafür, dass große Konzerne sich ihrer Steuerleistung entziehen können, dass mit der Zunahme von Gewinnen die Steuerleistung bei Millionen- und Milliardengewinnen von Unternehmen im Verhältnis zur durchschnittlichen Steuerleistung von Unternehmen fällt oder gegen Null tendiert. Sie schaffen Möglichkeiten der legalen Steuervermeidung für das Großkapital und für riesige Vermögen.

Unsere „Volksvertreter“ entpuppen sich dabei als Vertreter der Mächtigen und Vermögenden, nicht aber als die Anwälte der überwiegenden Mehrheit der Bürger. Es wäre daher höchst an der Zeit, dass die Finanzbehörden die Steuerleistung von Unternehmen und Konzernen endlich offenlegen, damit sich jeder Bürger ein Bild davon machen kann. Wir Bürger haben ein Recht darauf, darüber Bescheid zu wissen. Wir, die für diese Betriebe arbeitenden Lohnabhängigen sind es nämlich, die deren Gewinne erwirtschaften. Und wir wollen wissen, ob deren Eigentümer wenigstens ihrer Steuerverpflichtung nachkommen.

 

Wenn ÖVP-Finanzminister Löger wie schon sein Vorgänger Schelling die Steueroffenlegung von Großkonzernen auf EU-Ebene nicht unterstützen will und im eigenen Land sogar einen Abbau von Steuerprüfern plant, dann stellt sich die Frage, in wessen Interesse er da handelt. Sicherlich nicht im Interesse der Bürger, auch nicht im Interesse des Staates, sondern einzig und allein im Interesse großer Konzerne, indem er deren Tricks zur Steuervermeidung unterstützt und dem österreichischen Staat großen Schaden zufügt. Ob ein derart agierender Finanzminister für einen demokratischen Staat haltbar ist, muss bezweifelt werden.


 
Woko vom 11.2.: Eine kleine Narretei Drucken E-Mail



In 11000 m Höhe, auf dem Rückflug von Madeira nach Wien, mache ich mir Gedanken über die vergangene Woche. Eine Urlaubswoche sozusagen, aber trotzdem: Der Urlaub ist vorbei und meine treuen Leser warten auf das Erscheinen eines neuen Wochenkommentars.

Viel habe ich in dieser Woche vom politischen Geschehen nicht mitbekommen, aber es konnte mir nicht entgehen, dass Fasching ist. Und dies nicht etwa nur auf Grund eines dreistündigen grandiosen Faschingsumzuges in Funchal, welcher durchaus mit der berühmten Parade in Rio de Janeiro mithalten kann. Nein, ich frage mich, wo die Narretei eigentlich beginnt, also die Realität so widerspiegelt, dass aus dem Lachen so etwas wie ein heilsamer Prozess hervorgeht. Wo sind die Till Eulenspiegel, deren Spiegel zu einem Aha-Erlebnis wird, deren Witz aufrüttelt, deren Narrenkostüm das Freigeben des Blickes auf eine uns umgebende Realität ermöglicht. Ich suche das befreiende Lachen, aber was ich größtenteils vorfinde, ist das mühsam hervorgelockte Schmunzeln oder ein Lachen, welches allzu bald entschwindet.

In Deutschland überschlägt sich jede zweite Faschingsgilde mit dem Ausschlachten eines Regierungskompromisses zwischen CDU/CSU und SPD, der so überhaupt nichts Neues bringt und dieselben Ziele enthält, welche schon die vergangenen Koalitionen zwischen diesen Parteien enthalten haben, ohne dass diese jemals umgesetzt wurden. Und die Narren lachen darüber, aber dieses Lachen verpufft, es gefriert nicht, es bleibt nicht auch in der Kehle stecken.

In Nordkorea bekommt ein skrupelloser Diktator durch mächtige Männer des Olympischen Komitees, deren Machenschaften mitunter mehr als suspekt sind, gleichsam eine Weltnarrenbühne für Publicity geboten. Und die Medien, die Politiker überschlagen sich mit Kommentaren über eine bereits jetzt großartige Olympiade. Brot und Spiele als Ablenkungsmanöver von den wahrhaft wichtigen Problemen. Und viele glauben ernsthaft, dass dieses Theater ein Beitrag zum Weltfrieden ist.

In Österreich steht uns das Narrenprogramm des Villacher Faschings mit seiner Antikomik zwar noch bevor, aber man darf davon ausgehen, dass sich auch hier Massen vor den Bildschirmen über die Darstellung eines in der Realität stattfindenden politischen Trauerspiels durchaus amüsieren werden. Burschenschaftlerwitze, nationalsozialistisches Liedgut, eine Regierungstaktik von ÖVP/FPÖ, in welcher der Bürger möglichst wenig über die Regierungsmanöver erfährt, werden von den seit Jahren erprobten Protagonisten der Villacher Faschingsgilde sicherlich so aufgearbeitet werden, dass dem auf der Couch liegenden Fernsehkonsumenten der ein oder andere Lacher entkommt, falls er nicht schon eingeschlafen ist. Doch wem wird er dieses Lachen ins Gesicht schleudern? Dem Fernsehapparat?

Aufrüttelnd, bewusstseinserweiternd ist diese Narrenkomik leider nicht mehr. Es scheint so, als hätte der Faschingsnarr immer weniger Einfluss auf all jene, die sich tagtäglich zum Narren machen lassen.

 

 
Woko vom 4.2.: Was für eine "richtige Entscheidung"!? Drucken E-Mail

 

Die niederösterreichische Landeshauptfrau Mikl-Leitner hat eine Zusammenarbeit mit dem in die rechtsextreme Liedgutaffäre der Burschenschaft Germania verwickelten Spitzenkandidaten der FPÖ, Udo Landbauer, abgelehnt. Landbauer schade dem Ruf des Landes und so jemand könne für sie kein Partner sein, so Mikl-Leitner.

Die FPÖ nominierte daraufhin den Waidhofner Gottfried Waldhäusl als Landesrat und die Landesmutter spricht „von einer richtigen Entscheidung im Sinne Niederösterreichs“.

Nun ist der Reservist Waldhäusl alles andere als ein unbeschriebenes Blatt im Niederösterreichischen Landtag, in dem er seit 1998 sitzt. Sein Verhalten und seine Wortwahl sind dort für eine Vielzahl von Ordnungsrufen und Sitzungsunterbrechungen verantwortlich. So bezeichnete er 2012 die SPÖ, ÖVP und Grüne als „Anwälte von Kinderschändern“, wiederholt sprach er sich gegen die Integration von Asylwerbern aus und bezeichnete diese als „Idiotie“. Schon im Wahlkampf 2013 behauptete er, die Menschen im Wald- und Weinviertel lebten in Angst und Schrecken, selbst seine Mutter habe den ganzen Tag damit zu tun, darauf zu achten, dass das Tor zugesperrt sei.

Für die sich für Flüchtlinge einsetzenden Bürger forderte er höhnisch eine „Gutmenschen-Abgabe“.

Der Stadtgemeinde Heidenreichstein warf er vor, die Kindergärten mit Asylwerber-Kindern zu füllen, sodass Kinder Einheimischer auf die Warteliste kämen, was allerdings nicht den Tatsachen entsprach. Offensichtlich wurde er auch dafür 2014 mit dem Großen Goldenen Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Seine Empathie stellte Waldhäusl auch unter Beweis, als er 2015 die Zwangseinweisung einer psychisch erkrankten Politikerin der deutschen Partei „Die Linke“ mit „So what...“ kommentierte. Im Jänner 2018 diffamierte er in einer Landtagssitzung Homosexuelle als „Schwuchteln“.

Einen Zusammenschnitt von zahlreichen, teils untergriffigen Reden des neuen Landesrates findet man auf You Tube unter https://www.youtube.com/watch?v=mDIP9Mc2J10

 

Waldhäusels totalitäres Gedankengut überrascht nicht. Es steht für die Fortsetzung einer recht konsequenten Angst- und Ausgrenzungspolitik der FPÖ. Dass allerdings Mikl-Leitner diese Politik im „Sinne Niederösterreichs“ geradezu lobt, lässt uns tief in die seit der Machtübernahme durch Sebastian Kurz nach rechts getrifteten ÖVP blicken.

 
Woko vom 28.1.: Verschwörungstheorien und Feindbildpolitik Drucken E-Mail

 

Neu ist es nicht, dass Politiker die Volksmeinung manipulieren, unter anderem durch eine Sprachverwendung, welche Ideologien vernebelt, Bedeutungen verändert oder verharmlost. Solcherart wird im Sinne Ludwig Wittgensteins die Bedeutung von Worten durch ihren Gebrauch bestimmt.

Ein zweites Mittel der Manipulation bzw. der Ablenkung von ihren eigentlichen Interessen der an der Macht Befindlichen war und ist die Entwicklung von Feindbildern sowie die Diffamierung Andersdenkender.

Einer, der diese Strategie nahezu zur Perfektion beherrscht, ist der amtierende FPÖ-Innenminister Herbert Kickl. Man erinnere sich an den letzten EU-Wahlkampf, wo die FPÖ unter dem Generalsekretär und Mastermind Kickl mit Slogans wie „Abendland in Christenhand“ und einer Warnung vor dem EU-Beitritt Israels, der niemals zur Diskussion stand, bewusst Ängste schürte und Feindbilder schaffte.

Nun, anlässlich der Diskussion um den FPÖ-Spitzenkandidaten Landbauer bei den niederösterreichischen Landtagswahlen - unter dem langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden der Burschenschaft Germania existierte ein Liederbuch, in welchem offen zum Massenmord an Juden aufgerufen wurde -  setzt die FPÖ das Sprachspiel im Sinne von Verharmlosung des Geschehens, Schaffung von Feindbildern, Vernebelung, Diffamierung u.a.m. wiederum bewusst ein. Nach einem ersten Erstaunen des Politikers über die Existenz solcher Texte in Liedbüchern wurde inzwischen bekannt, dass Landbauer selbst im Jahr 2010 nationalsozialistische Lieder im Liederbuch der rechtsextremen „Jungen Patrioten“ beworben habe.

H.C. Strache spricht zu seiner Facebook-Leserschar, nachdem er ein formales Bekenntnis gegen den Antisemitismus abgelegt hat, in seinem Wahlaufruf von „Schmutzkübelkampagne“, „Nervösität der Mitbewerber“, von „ehrlicher Politik“ sowie von „UNSEREN Landleuten“. Auf einem Plakat mit dem Spitzenkandidaten Landbauer zeigt er sich mit diesem unter dem Slogan „Nun erst recht!“

Und seine Sprachwahl zeigt Wirkung: Seine Leserschaft legt nach und stellt Weltverschwörungstheorien gegen die FPÖ in den Raum, „Freimaurer“ und „linke Jagdgesellschaften“ wollten der Partei schaden, man müsse nun zeigen „Wer das Volk ist“.

Auf der Seite des Spitzenkandidaten selbst geiselt dieser die Medien, die darüber nachdenken sollten, warum er seine Wahlkampfaktionen als Schilehrer „im Geheimen“ durchführen müsse. Und ein Anhänger bedankt sich dafür, denn „die Linken hätten auch vor den Kindern ihr „böses Spiel“ veranstaltet. In einer Stellungnahme zu den im nationalsozialistischen Geist gefassten Textpassagen im Liederbuch der „Germania“ sei er auf das „Äußerste entsetzt über jene Passagen“, erwähnt jedoch den Begriff Nationalsozialismus kein einziges Mal. Über seine Rolle bei den rechtsextremen „Jungen Patrioten“ hüllt er sich in Schweigen.

Innenminister Kickl betonte gegenüber den Medien, Landbauer hätte die „entsprechenden Konsequenzen“ gezogen.

 

Diese bestehen offensichtlich in der Aufrechterhaltung seiner Kandidatur, der konsequenten Leugnung jeglicher Nahverhältnisse zu rechtsradikalen und nationalsozialistischem Gedankengut sowie in der Fortsetzung einer Politik der Ausgrenzung und von Feindbildern. Es bleibt zu hoffen, dass das heutige Wahlergebnis dieser FPÖ-Strategie deutliche Grenzen setzt.

 
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